Neues Unterrichtsfach "Glück"....
 

Im Unterrichtsfach „Glück“ vermittelt eine Schule in Baden-Württemberg Werte wie Selbstachtung, Selbstsicherheit, Selbstverantwortung und vieles mehr

Was sich schon immer viele Schüler gewünscht haben, wird jetzt zu Beginn des neuen Schuljahres ab 10. September 2007 an der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg wahr. Einige Schüler werden nach Hause kommen und bei der Frage, was denn so im Unterricht los war, antworten: „heute haben wir Glück gehabt“.

„Mit dem Unterrichtsfach `Glück` wird der Versuch unternommen, den Schülern Bildung im ursprünglichen Sinn zu vermitteln. Ziel ist die Förderung von persönlicher Zufriedenheit, Selbstsicherheit, Selbstverantwortung und sozialer Verantwortung“, sagt Direktor Ernst Fritz-Schubert. Dabei geht es in dem Pilotprojekt nicht darum, das Negative auszumerzen, sondern das Positive zu verstärken. Die Jugendlichen sollen empfänglich für Glücksmomente sein und sich Wege für ihr eigenes dauerhaftes Glück suchen können.

Glücklich sein ist ein psychologisches Bedürfnis wie Essen ein körperliches.

Das gilt für Schüler und Lehrer gleichermaßen. Längst hat die Wissenschaft bewiesen, dass Gesellschaften mit wachsendem Reichtum nicht unbedingt glücklicher werden. Dazu gehört wesentlich mehr. Etwa Selbstachtung, Einfühlungsvermögen, Freundschaft, Liebe, Spiritualität, Humor und Optimismus. Diese Ingredienzien des Glücks kann man lernen.

Die Willy-Hellpach-Schule ist bisher die einzige Schule in Deutschland, die sich mit dem „Lernziel glücklich sein“ in dieser Form auseinandersetzt. Sie bietet das Fach „Glück“ sowohl an der zweijährigen Berufsfachschule Wirtschaft (dort erwerben Hauptschüler die mittlere Reife) als auch am dreijährigen Wirtschaftsgymnasium (hier ist der Abschluss das Abitur) an.

Mehr als 50 Schüler haben sich in beiden Schularten für das Fach bisher angemeldet. Es gibt insgesamt drei Kurse.

Die Dozenten

Zu den Dozenten der Kurse gehören zahlreiche externe Lehrkräfte wie etwa Schauspieler des Heidelberger Theaters, Systemtherapeuten und eine Theaterpädagogin. Diese werden unterstützt durch den Schulleiter, aber auch durch Ethik-, Biologie-, und einen Sportlehrer, der auch Arzt ist.

Alle Dozenten haben in zahlreichen, intensiven Sitzungen das Unterrichtsprogramm genau aufeinander abgestimmt. Auch der durch externe Lehrkräfte erteilte Unterricht wird immer von einem Lehrer begleitet.

Wissenschaftliche Begleitung

Die Kurse werden von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Der zuständige Wissenschaftler ist Prof. Dr. Wolfgang Knörzer. Er hat das Projekt von Anfang an begleitet, mitkonzipiert und übernimmt auch Teile des Unterrichts.

Worum geht es?

Glück als Unterrichtsfach in emotionaler, kognitiver und physiologischer Dimension ergänzt die schulische Bildung, die im Wesentlichen auf die Vorbereitung einer akademischen bzw. beruflichen Laufbahn abzielt. Dies ist zurückzuführen auf den Zuwachs der Bedeutung von Wissenschaft als Lebensgrundlage also Technik, Medizin und Wirtschaft. Schule in diesem Sinne  ist instrumentalisiert, sie wird leider nur noch als Lernort verstanden. Die Rolle des Lehrers reduziert sich auf die Aufgabe als Erzieher zum Lernen, quasi als Lern-Lotse, der Schülerinnen und Schüler durch das Schulsystem lenkt.

„Der Begriff Bildung beschreibt heute nur noch den Bereich Schule und hat sich vom ursprünglichen Bildungsanspruch im Sinne der Erziehung von Jugendlichen zu gebildeten und kultivierten Menschen verabschiedet“, sagt Fritz-Schubert. Das Fach Glück bildet und kultiviert, in dem es die persönlichen Anlagen und Möglichkeiten  der Jugendlichen aufnimmt und weiterentwickelt.

Die Einführung des Fachs trägt der Tatsache Rechnung, dass traditionelle soziale Netzwerke, wie z. B. die Familie, nicht mehr durchgehend in der Lage sind, herkömmliche Normen, Traditionen, Verhaltensweisen, Konventionen etc. zu vermitteln, die aber Grundlage für ein zufriedenes und erfolgreiches Leben sind und die Basis für eine intakte Gemeinschaft darstellen.

Auf der Grundlage des aristotelischen Glücksbegriffes sollen alle für die Menschen existenziellen Bereiche wie Körper und Seele, aber auch der Wert schöpfende Bezug zur Gemeinschaft erfahren werden. Es soll vermittelt werden, dass Glück erlernbar ist und sich im glücklichen und erfolgreichen Tun widerspiegelt.

Die Erkenntnisgewinnung über sich selbst, seinen Körper und seine Seele, das eigene Handeln und das Leben im sozialen Netzwerk soll sich auf der kognitiven, aber insbesondere auch auf der emotionalen und körperlichen Ebene vollziehen. Wegen der individuellen und subjektiven Auffassung von Glück sollen sich die Schülerinnen und Schüler eine eigene Wertehierarchie erstellen und selbst mögliche Wechselwirkungen einzelner Prozesse erfahren dürfen. Sie sollen eigene als auch Gruppenziele formulieren und die Zielerreichung evaluieren.

Die von jeder Schülerin und jedem Schüler zu erstellenden Dokumentationen dienen der eigenen kritischen Reflexion und Korrektur.

Als Grundlage der Bewertung von Schülerleistungen dürfen nur die Dokumentationen herangezogen werden, auf keinen Fall die vermeintlichen oder tatsächlichen Fortschritte im Sinne der relativen oder absoluten Erreichung von Individual- oder Gruppenzielen.

 

 

Weitere Infos und Kontakt

sekretariat@whs.hd.bw.schule.de

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